Minckwitzsches Weinberghaus, Oberes Lusthaus, Weinbergsanwesen, 1901

Ein kleiner Geschichtsrückblick zum v. Minckwitz’schen Weingut in Radebeul

Das Anwesen wurde 1713 durch Advokat Dr. Caspar Christian Kober erworben, bewirtschaftet und bebaut. Kober errichtete eine Reihe von Gebäuden. Das älteste ist der kleine achteckige Pavillon von 1713. Danach wurde das obere Winzerhaus um 1722 erbaut und zwischen 1724 und 1727 die Gebäude des Weinguts auf der heutigen Oberen Bergstraße. Als letztes- sozusagen krönendes – Bauwerk entstand  1729 das barocke Lusthaus, heute Weinberghaus genannt, auf der Spitze des Berges.

Das Radebeuler Grundstück befindet sich seit 1853 im Besitz der Familien Hans Friedrich v. Minckwitz (F XIII05) und Ehefrau Elisabeth v. Minckwitz, geb. Gräfin zu Münster. Hans v. Minckwitz (F XIV05 und Ehefrau Margarete, geb. Foss, mit den Kindern Wolfram (F XV01) und Ingrid (F XV02) erbten das Anwesen von Tante Elisabeth vor deren Tod 1953. Unsere Familie verließ 1955 die vormalige Thüringer Heimat und zog nach Radebeul.

Unsere Eltern und wir, als die nachfolgende Generation, bemühten sich um die Erhaltung und Verbesserung des für uns ungewohnt großen Grundstücks von damals 45.000 m² mit mehrteiligem Wohnhaus und zwei Pavillons – dem kleinen auf halbem Hang – und dem Weinberghaus auf dem Berg.

Hinzu kam, dass das Hauptgebäude zunächst gänzlich und das Seitengebäude teilweise durch Mieter belegt waren, deren vollständiger Wegzug erst nach Jahrzehnten abgeschlossen werden konnte. Infolge dessen lebte unsere Familie noch lange Zeit beengt im eigenen Grundstück. Erst als die letzten Mieter das Haus verlassen hatten, konnte die Familie meiner Schwester Ingrid und ihre Nachkommen schließlich nach 1990 das Hauptgebäude selbst beziehen.

Unsere Eltern starben 1972. Aus wirtschaftlichen Gründen verkaufte ich das Seitengebäude 1973 an den Architekten Volker Röhricht und dessen Familie. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte erfolgten durch die Familien meiner Schwester und durch mich schrittweise umfangreiche Sanierungs- sowie Um- und Ausbaumaßnahmen am Wohngrundstück sowie am Pavillon und am Weinberghaus. (Siehe dazu nachfolgend gesonderte Darstellung).

Der ehemalige Weinberg, oberhalb der Wohngebäude, war seit dem Reblausbefall gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nur mit Buschwerk und einigen Obstbäumen bewachsen. Gemäß einer Bodennutzungsverordnung der DDR sollte der Hang künftig wieder dem Terrassen-Weinbau dienen wie schon mehrere hundert Jahre vorher. Wir – meine Schwester und ich – verkauften den größten Teil des Südhangs an die Winzergenossenschaft Meißen. Seitdem bewirtschaften – als deren Pächter – Freizeitwinzer den Berg. Unterhalb meines Weinberghauses besitze ich noch zwei Weinbergterrassen, die ich verpachtete. Die Trockenmauern ließ ich reparieren und es wird auch dort wieder Wein angebaut.

Das Weinberghaus

Das barocke Denkmal befand sich um 1985 in einem zunehmend kritischen Bauzustand: Das Dach war undicht. Ziegel fielen herab. Wasser tropfte von der Decke in den Saal. Ein Teil der alten Wetterfahne stürzte zu Boden. Der Putz fiel herab. Die Balkenköpfe des Dachstuhls verfaulten langsam, Schwammbefall wurde festgestellt und der Dachstuhl verlor bereits an Stabilität. Außenputz, Fenster und Simse wiesen Schäden auf. Ich entschloss mich 1987 mit der Sanierung des Weinberghauses zu beginnen. Zu DDR-Zeiten war das schwierig, weil Material knapp war und die wenigen Handwerksbetriebe größtenteils durch staatliche Aufträge gebunden. Dennoch gelang es mir, durch einen benachbarten Dachdecker die begehrten Biberschwanz-Ziegel zu bekommen.

Er hatte noch gute Ziegel von Abrisshäusern vorsorglich geborgen. Das Weinberghaus wurde eingerüstet und man begann, Dachstuhl und Dach schrittweise zu reparieren. Der Dachstuhl wurde durch Eisenträger und Holzbohlen stabilisiert, die ich zuvor besorgt hatte. Diese aufwendigen Arbeiten erfolgten durch den Dachdecker unbilanziert, d.h. neben seinen offiziellen Aufträgen und ohne staatliche Materialbereitstellung. Die Arbeiten zogen sich über einen Winter hin, ohne dass das Dach fertig gedeckt war. Eine große Plane sollte Regen und Schnee vom Inneren des Hauses abhalten.

Winterstürme rissen die notdürftig befestigte Plane mehrfach herunter. Meine Frau Rita und ich überwanden unsere Angst und bestiegen über eine lange schwankende Leiter das Holzgerüst. Wir zerrten die Plane wieder in die richtige Position und befestigten sie erneut. 1988 wurden die Arbeiten am Dach fertig gestellt. Eine neue Wetterfahne, getreu nach altem Muster angefertigt, zierte fortan wieder die Spitze des Hauses. Zu dieser Zeit konnten wir auch einen Elektroanschluss per Erdkabel zum Weinberghaus fachgerecht in Eigenarbeit realisieren, auch deshalb, weil meine Frau Rita ihre Fähigkeiten als Elektromechanikerin anwenden konnte. Meine Frau, die sich an meiner Seite tatkräftig für die Instandsetzung des Weinberghauses eingesetzt hatte, erkrankte zur Wendezeit plötzlich und verstarb 1990. Sie konnte die Fertigstellung unseres Denkmals nicht mehr erleben…

Nach 1990 wurden Fördermittel für die weitere Instandsetzung bewilligt. Ich erhielt diese vom Regierungspräsidium Dresden und der Denkmalstiftung Baden Württemberg. Unter Einsatz zusätzlicher Eigenmitteln konnten weitere Arbeiten erfolgen, wie beispielsweise Schwammsanierung, Außenputz, Erneuerung beschädigter Sandsteinteile, Abdichtungen,  Putz- und Stuckarbeiten im Inneren des Hauses, die Farbgebung außen und innen – in Abstimmung mit Fachleuten des Denkmalschutzes. Kosten der Wiederinstandsetzung: gesamt  62.000.- €. Nach Abschluss der Arbeiten am Weinberghaus – einem der ältesten Bauwerke in der Niederlößnitz – erhielt ich 1997 den Bauherrenpreis in der „ Kategorie Sanierung, Rang I“ der Stadt Radebeul, wovon eine Plakette am Eingang zum Saal kündet. Ich bin stolz darauf, dass es mir gelang, das Denkmal vor dem Verfall gerettet und damit der Nachwelt erhalten zu haben.

Um das Haus einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, waren nochmals Investitionen in Höhe von mehr als 70.000.- € nötig. So musste die Wasserversorgung gesichert werden. Die Möbelausstattung des Saals wurde durch einen Tischlermeister angefertigt, eine Kaffeeküche eingebaut, der Sanitärbereich und eine Kläranlage realisiert. Der Bau einer Aussichtsterrasse und die Beschaffung von Gartenmöbeln gestatten es Besuchern, die wundervolle Aussicht über Radebeul, Dresden bis hin zu den Bergen der Sächsisch-böhmischen Schweiz und des Erzgebirges zu genießen. Der Ausbau des schönen tonnenförmigen Weinkellers rundete die Arbeiten am Haus schließlich ab. Seit Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts vermiete ich das Weinberghaus an Wochenenden für gepflegte Familienfeiern, die dem Stil und Charakter des Ortes entsprechen. Ein Gästebuch vermittelt die teils begeisterten Eindrücke der Gäste, die gern hierher kommen. Damit Haus und Umfeld in gutem Zustand bleiben, bedarf es ständigem Engagement und Pflege.

Ich danke meiner Lebensgefährtin Petra Stiller für Rat und Unterstützung, wann immer es nötig war.

Verfasser:
Wolfram v. Minckwitz
Radebeul, 2010

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